Immobilienkauf Berlin: Was Selbstständige beim Makler beachten

By Redaktion

Warum Selbstständige in Berlin 2026 einen anderen Makler brauchen

Der Berliner Immobilienmarkt hat sich in den letzten zwei Jahren spürbar verändert. Die Zinsen sind zwar nicht mehr auf dem Höchststand von 2023, bewegen sich aber immer noch zwischen 3,5 und 4,2 Prozent für zehnjährige Darlehen. Gleichzeitig hat das Angebot an Eigentumswohnungen in Bezirken wie Prenzlauer Berg, Friedrichshain oder Schöneberg kaum zugenommen. Für Selbstständige, Freiberufler und Inhaber kleiner GmbHs bedeutet das: Der Wettbewerb mit gut situierten Angestellten ist 2026 härter denn je.

Das eigentliche Problem liegt aber nicht nur im Markt selbst, sondern in der Bewerbungsphase. Banken bewerten das Einkommen von Selbstständigen grundsätzlich anders als das eines fest Angestellten. Durchschnittswerte aus zwei oder drei Steuerjahren, schwankende Gewinne, Rücklagen in der Firma statt auf dem Privatkonto: All das erschwert die Finanzierungszusage. Ein Makler, der das nicht versteht oder ignoriert, kostet schlimmstenfalls das Objekt.

Bonität und Einkommensnachweis: Die unterschätzte Vorarbeit

Wer als Selbstständiger ein Objekt ernsthaft in Betracht zieht, sollte die eigene Finanzierungsposition klären, bevor er überhaupt einen Besichtigungstermin wahrnimmt. Banken verlangen in der Regel die Einkommensteuerbescheide der letzten zwei bis drei Jahre, betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) für das laufende Jahr sowie einen Gesellschaftsvertrag bei GmbHs. Wer diesen Papierstapel nicht parat hat, verliert in einer Bietersituation wertvolle Tage.

Ein guter Makler weiß das und wird proaktiv nachfragen. Er bereitet Verkäufer außerdem darauf vor, dass eine Finanzierungsbestätigung eines Selbstständigen nicht dasselbe aussieht wie die eines Beamten. Wer auf einen Makler trifft, der solche Unterschiede nicht einmal benennen kann, sollte weiterschauen.

Worauf bei der konkreten Maklerauswahl zu achten ist

Es gibt in Berlin derzeit über 3.000 aktive Maklerbetriebe und Einzelmakler. Das Qualitätsniveau ist extrem heterogen. Für Selbstständige lohnt es sich, die Auswahl anhand konkreter Kriterien zu treffen statt nach Empfehlung aus dem Bekanntenkreis:

  • Erfahrung mit atypischen Einkommenssituationen: Hat der Makler nachweislich Käufer mit freiberuflichem Hintergrund erfolgreich durch den Prozess geführt? Konkret nachfragen, nicht allgemeine Antworten akzeptieren.
  • Netzwerk zu Finanzierungspartnern: Makler mit Kontakten zu unabhängigen Finanzierungsvermittlern können helfen, die passende Bank zu finden. Nicht alle Geldinstitute gewichten Selbstständigen-Einkommen gleich.
  • Kenntnisse im Zielgebiet: Ein Makler, der die Mikrolage kennt, kann Preise einschätzen und überzogene Angebote herausfiltern. Das ist bei 15 bis 20 Prozent Preisunterschied zwischen vergleichbaren Wohnungen im selben Bezirk erheblich.
  • Reaktionszeit und Erreichbarkeit: In einem Markt, in dem gute Objekte innerhalb von 48 Stunden reserviert werden, ist ein Makler, der erst nach zwei Tagen zurückruft, keine sinnvolle Wahl.
  • Transparenz bei der Courtage: In Berlin gilt seit 2020 die hälftige Teilung der Maklerprovision zwischen Käufer und Verkäufer, wenn der Makler vom Verkäufer beauftragt wurde. 3,57 Prozent auf den Kaufpreis sind für den Käufer derzeit marktüblich.

Wer gezielt nach spezialisierten Anbietern sucht, die auf Berliner Verhältnisse und komplexere Käuferprofile ausgerichtet sind, findet über Portale für Immobilien Berlin eine gute Ausgangsbasis für den Vergleich.

Typische Fehler im Ablauf und wie man sie vermeidet

Selbstständige machen beim Immobilienkauf häufig denselben Fehler: Sie suchen zuerst das Objekt und klären die Finanzierung danach. Für Angestellte mit stabilem Gehaltsnachweis ist das oft noch handhabbar. Für jemanden mit drei unterschiedlich starken Geschäftsjahren und einer aktuellen BWA, die noch nicht das Gesamtbild zeigt, ist diese Reihenfolge riskant.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die steuerliche Optimierung kurz vor dem Kaufvorhaben. Wer im Jahr vor dem Kauf aggressiv Betriebsausgaben geltend macht, um die Steuerlast zu senken, senkt auf dem Papier gleichzeitig sein Einkommen. Banken sehen das nüchtern: Niedriges ausgewiesenes Einkommen bedeutet niedrigere Darlehenssumme. Diesen Zielkonflikt sollte man mit dem Steuerberater vor der Kaufabsicht besprechen, nicht danach.

Kaufnebenkosten 2026: Was Selbstständige einplanen müssen

Die Gesamtnebenkosten beim Immobilienkauf in Berlin liegen derzeit bei rund 12 bis 15 Prozent des Kaufpreises. Das setzt sich zusammen aus der Grunderwerbsteuer (6 Prozent in Berlin), Notar- und Grundbuchkosten (etwa 1,5 bis 2 Prozent) sowie der Maklercourtage. Bei einem Kaufpreis von 550.000 Euro für eine Dreizimmerwohnung in Neukölln oder Tempelhof kommen so bis zu 82.500 Euro an Nebenkosten zusammen, die in der Regel nicht finanziert werden.

Für Selbstständige ist das deshalb besonders relevant, weil Eigenkapital oft in der Firma gebunden ist. Wer Rücklagen aus einer GmbH entnehmen möchte, löst Kapitalertragsteuer aus. Das sollte im Vorfeld berechnet werden.

Kostenart Prozentsatz Betrag bei 550.000 EUR
Grunderwerbsteuer 6,0 % 33.000 EUR
Notar und Grundbuch ca. 1,7 % ca. 9.350 EUR
Maklercourtage (Käuferanteil) 3,57 % ca. 19.635 EUR
Summe Nebenkosten ca. 11,3 % ca. 61.985 EUR

Was einen wirklich guten Makler am Ende auszeichnet

Ein Makler, der für Selbstständige wirklich nützlich ist, verdient seinen Anteil nicht durch Objektpräsentation, sondern durch Prozessbegleitung. Er kennt die Zeitfenster zwischen Reservierung und Notartermin, er weiß, welche Unterlagen eine Bank bevorzugt und welche Formulierungen in einem Finanzierungsexposé helfen. Er kommuniziert offen, wenn ein Objekt für die eigene Situation nicht passt, statt jeden Besichtigungstermin als Verkaufschance zu behandeln.

Berlin bleibt 2026 ein Markt, in dem Qualität ihren Preis hat. Wer als Selbstständiger Eigentum erwerben möchte, tut gut daran, nicht beim Makler zu sparen, sondern beim richtigen zu investieren.