3D-Grundrisse: Wie Makler davon profitieren

By Redaktion

Wer eine Wohnung kaufen will, scrollt heute zuerst durch Fotos. Gefällt das Titelbild, wird geklickt. Dann kommt der Grundriss, und spätestens hier entscheidet sich, ob eine Anfrage folgt oder nicht. Das Problem: Der klassische schwarz-weiße Grundriss aus dem CAD-Programm zeigt Wände und Türen, aber kaum mehr. Viele Interessenten können damit wenig anfangen. Sie fragen sich, ob der Wohnbereich wirklich offen wirkt, ob das Schlafzimmer ein Fenster zur Straße hat oder wie der Schnitt sich im Alltag anfühlt. Genau diese Lücke schließen interaktive 3D-Grundrisse.

Was interaktive 3D-Grundrisse von statischen unterscheidet

Ein statischer Grundriss ist ein Bild. Ein interaktiver 3D-Grundriss ist eine Anwendung. Der Nutzer kann die Perspektive wechseln, zwischen Draufsicht und isometrischer Ansicht hin- und herwechseln, einzelne Räume anklicken und Maße abrufen. Manche Tools erlauben es, Möbel virtuell zu platzieren oder Wände einzufärben. Das klingt nach Spielerei, hat aber messbare Auswirkungen auf das Nutzerverhalten.

Plattformen wie Immoscout24 haben intern ausgewertet, dass Inserate mit 3D-Grundrissen im Schnitt rund 50 Prozent mehr Kontaktanfragen erzielen als vergleichbare Inserate ohne diese Funktion. Das liegt nicht daran, dass 3D hübscher aussieht, sondern daran, dass Interessenten früher ein belastbares Raumgefühl entwickeln. Wer nach fünf Minuten mit dem Grundriss interagiert hat, meldet sich mit konkreteren Fragen. Das spart auf beiden Seiten Zeit.

Welchen konkreten Nutzen Makler haben

Der offensichtlichste Vorteil ist die Qualität der Anfragen. Wenn jemand schon vor dem Besichtigungstermin verstanden hat, dass das zweite Schlafzimmer nur 9 Quadratmeter hat und direkt an die Küche grenzt, kommt er entweder trotzdem oder er kommt gar nicht. Beides ist wertvoll. Makler berichten regelmäßig, dass Besichtigungen mit Interessenten, die vorher einen 3D-Grundriss genutzt haben, strukturierter verlaufen. Die Fragen sind gezielter, die Einwände konkreter.

  • Weniger Besichtigungen mit unpassenden Interessenten
  • Kürzere Vermarktungszeiten durch schnellere Entscheidungsprozesse
  • Höhere Verweildauer im Inserat, was sich positiv auf die Plattform-Algorithmen auswirkt
  • Differenzierung gegenüber Mitbewerbern, die noch mit flachen Grundrissen arbeiten
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Ein weiterer Aspekt, der selten diskutiert wird: 3D-Grundrisse helfen bei schwer vermittelbaren Objekten. Eine Maisonette-Wohnung mit versetzten Ebenen ist in der Draufsicht kaum zu verstehen. Im 3D-Modell erschließt sie sich innerhalb von Sekunden. Gleiches gilt für ungewöhnliche Schnitte, Hanglagen oder Altbauten mit vielen kleinen Räumen.

Praxisbeispiel aus der Region

Dass sich der Einsatz auch abseits von Großstädten rechnet, zeigen Erfahrungen aus dem ländlichen und kleinstädtischen Bereich. Akteure im Bereich Immobilien Tuttlingen setzen 3D-Grundrisse gezielt bei Bestandsobjekten ein, bei denen die Fotos allein den Charakter nicht transportieren. Der Effekt ist laut eigenen Angaben spürbar: Interessenten, die von weiter anreisen, kommen besser vorbereitet und haben seltener das Gefühl, vor Ort überrascht zu werden.

Das ist kein Zufall. Wer eine längere Anfahrt auf sich nimmt, will vorher sicher sein, dass das Objekt grundsätzlich passt. Ein detaillierter 3D-Grundriss erfüllt genau diese Funktion. Er ist eine Art digitale Vorab-Besichtigung, die Vertrauen schafft, ohne dass der Makler anwesend sein muss.

Welche Tools am Markt taugen

Die bekanntesten Anbieter im deutschsprachigen Raum sind Floorplanner, Roomsketcher, Matterport und der Dienst von Ogulo. Sie unterscheiden sich in Preis, Aufwand und Ausgabeformat erheblich.

Anbieter Erstellungsaufwand Preis (ca.) Besonderheit
Roomsketcher Selbst erstellen möglich Ab 49 Euro/Jahr Einsteigerfreundlich, browserbasiert
Matterport 3D-Kamera erforderlich Ab 50 Euro/Monat Virtuelle Touren integriert
Ogulo Dienstleister erstellt Ab 90 Euro/Objekt Kombination aus Grundriss und Tour
Floorplanner Selbst erstellen möglich Kostenlos bis 24 Euro/Monat Einfache Handhabung

Für Makler, die nicht selbst modellieren wollen, empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit spezialisierten Dienstleistern. Die Kosten pro Objekt liegen meist zwischen 80 und 200 Euro, abhängig von Komplexität und Ausstattung des Grundrisses. Bei einem Verkaufspreis von 350.000 Euro ist das eine vernachlässigbare Position im Verhältnis zur Provision.

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Häufige Fehler bei der Umsetzung

Ein 3D-Grundriss, der fehlerhaft ist, schadet mehr als gar keiner. Wenn Raummaße nicht stimmen oder Türen an der falschen Stelle sitzen, verlieren Interessenten das Vertrauen. Vor der Veröffentlichung sollte deshalb immer ein Abgleich mit dem tatsächlichen Grundriss oder einer aktuellen Aufmessung erfolgen.

Ein zweiter häufiger Fehler: Der 3D-Grundriss wird irgendwo im Inserat versteckt, statt prominent platziert. Er gehört auf jeden Fall in die ersten drei bis vier Medien des Inserats, nicht ans Ende nach zwölf Fotos vom Garten. Wer möchte, dass Interessenten damit interagieren, muss den Grundriss sichtbar machen.

Schließlich sollte der Grundriss zur restlichen Präsentation passen. Ein hochwertiges Objekt mit professionellen Fotos verliert an Wirkung, wenn der Grundriss wie eine schnelle Skizze aussieht. Konsistenz im Erscheinungsbild signalisiert Professionalität, und das gilt auch für die digitale Aufbereitung von Immobilien.

Fazit

Interaktive 3D-Grundrisse sind kein Luxus für Premiumobjekte, sondern ein sinnvolles Werkzeug für jeden Makler, der seine Vermarktung effizienter gestalten will. Sie verkürzen Entscheidungsprozesse, verbessern die Qualität von Anfragen und heben Inserate aus der Masse heraus. Der Aufwand ist überschaubar, die verfügbaren Tools sind ausgereift, und die Kosten liegen weit unter dem, was viele vermuten. Wer noch mit statischen Grundrissen arbeitet, gibt einen handfesten Wettbewerbsvorteil freiwillig ab.