Von der Redaktion Versicherung & Vorsorge
Stand: Juli 2026 · Lesezeit: 8 Minuten
Worum es geht
Beamte, Referendare und Anwärter stehen 2026 vor einer anderen Ausgangslage als Angestellte: Durch die Beihilfe ihres Dienstherrn müssen sie in der Regel nur einen Teil ihrer Krankheitskosten privat absichern. Ein klassischer PKV-Vergleich, wie ihn Arbeitnehmer nutzen, führt deshalb oft zu falschen Ergebnissen.
Dieser Ratgeber erklärt, wie die Beihilfe funktioniert, worauf es bei beihilfekonformen Tarifen ankommt und welche Fehler beim Vergleich am häufigsten passieren — inklusive einer Beispielrechnung für einen 35-jährigen Beamten.
Kurz zusammengefasst
Beamte erhalten vom Dienstherrn eine Beihilfe, die je nach Bundesland und Familienstand in der Regel 50 bis 80 Prozent der Krankheitskosten übernimmt. Privat versichert werden muss nur der verbleibende Restkostenanteil — dafür gibt es spezielle Beihilfetarife, die deutlich günstiger sind als Volltarife. Ein 35-jähriger Beamter mit 50 Prozent Beihilfe zahlt 2026 üblicherweise zwischen 300 und 400 Euro monatlich für einen leistungsstarken Restkostentarif inklusive Pflegepflichtversicherung. Entscheidend ist, ausschließlich beihilfekonforme Tarife zu vergleichen und dabei Beihilfeergänzungstarife sowie die Öffnungsaktion für Beamte mit Vorerkrankungen zu berücksichtigen.
Welche Besonderheiten gelten für Beamte bei der PKV?
Der zentrale Unterschied zu Angestellten ist die Beihilfe: Der Dienstherr beteiligt sich direkt an den Krankheitskosten seiner Beamten. Die Beihilfe ist keine Versicherung, sondern ein Erstattungsanspruch — eingereichte Arztrechnungen werden anteilig vom Dienstherrn erstattet.
Beihilfesätze nach Lebenssituation. Aktive Beamte ohne Kinder erhalten in der Regel 50 Prozent Beihilfe, Beamte mit zwei oder mehr berücksichtigungsfähigen Kindern üblicherweise 70 Prozent, Pensionäre ebenfalls meist 70 Prozent. Für berücksichtigungsfähige Ehepartner mit geringem Einkommen gelten häufig 70 Prozent, für Kinder 80 Prozent.
Unterschiede je Bundesland. Die Beihilfevorschriften sind Ländersache: Ein Landesbeamter in Bayern kann andere Sätze und Leistungskataloge haben als ein Bundesbeamter oder ein Beamter in Hessen, wo zusätzlich die pauschale Beihilfe als Alternative existiert. Vor jedem Vergleich sollte deshalb der individuelle Beihilfesatz geklärt sein.
Beispiel. Eine verbeamtete Lehrerin in Nordrhein-Westfalen, ledig, ohne Kinder, muss nur 50 Prozent ihrer Krankheitskosten privat absichern. Ihr PKV-Beitrag bezieht sich also nur auf diese Restkosten — deshalb sind Beamtentarife typischerweise nur etwa halb so teuer wie vergleichbare Volltarife für Selbstständige.
Warum unterscheidet sich der Tarifvergleich von dem für Angestellte?
Angestellte vergleichen Volltarife, die 100 Prozent der Kosten abdecken, und erhalten einen Arbeitgeberzuschuss zum Beitrag. Beamte vergleichen dagegen Restkostentarife, die exakt zur individuellen Beihilfe passen müssen — ein grundlegend anderes Produkt.
Beihilfekonformität als Pflichtkriterium. Ein Tarif für Beamte muss so aufgebaut sein, dass Erstattung der PKV und Beihilfe zusammen die Kosten decken, ohne Lücken oder Doppelversicherung. Standard-Vergleichsrechner für Arbeitnehmer filtern dieses Kriterium in der Regel nicht.
Generalistische Vergleichsportale decken häufig viele Versicherungssparten ab. Für Beamte können zusätzlich spezialisierte Vergleichsdienste hilfreich sein. Der PKV-Tarifvergleich.info bietet beispielsweise Filteroptionen für Beamtentarife, mit denen sich Restkostentarife nach Beihilfesatz und Dienstherr eingrenzen lassen.
Die Öffnungsaktion. Viele private Versicherer nehmen Beamtenanfänger innerhalb der ersten sechs Monate nach Verbeamtung auch mit Vorerkrankungen auf — mit begrenztem Risikozuschlag von maximal 30 Prozent und ohne Leistungsausschlüsse. Diese Frist sollte kein Anwärter verstreichen lassen.
Welche Leistungen sind beim Beamtentarif entscheidend?
Der Beitrag allein sagt wenig aus — entscheidend ist, welche Restkosten der Tarif tatsächlich schließt.
Beihilfeergänzungstarif. Die Beihilfe erstattet nicht alles: Bei Zahnersatz, Sehhilfen, Heilpraktikerleistungen oder Wahlleistungen im Krankenhaus bleiben oft Lücken. Ein Ergänzungstarif für üblicherweise 10 bis 25 Euro monatlich schließt diese und gehört für die meisten Beamten zur Grundausstattung.
Wahlleistungen im Krankenhaus. Chefarztbehandlung und Ein- oder Zweibettzimmer werden von der Beihilfe je nach Bundesland unterschiedlich behandelt — in einigen Ländern nur gegen einen monatlichen Eigenbeitrag. Der PKV-Tarif sollte hier zur Regelung des eigenen Dienstherrn passen.
Pflegepflichtversicherung. Auch Beamte müssen eine private Pflegepflichtversicherung abschließen; dank Beihilfe ist der Beitrag mit üblicherweise 30 bis 50 Euro monatlich moderat.
Beitragsentwicklung und Alterungsrückstellungen. Wichtiger als der günstigste Einstiegsbeitrag ist eine stabile Kalkulation. Ein Blick auf die Beitragsentwicklung der letzten zehn Jahre und die Höhe der Alterungsrückstellungen des Versicherers ist aussagekräftiger als der reine Monatspreis.
Welche Fehler passieren beim Vergleich häufig?
| Punkt | Verbreiteter Fehler | Lösung |
|---|---|---|
| Tarifart | Volltarife statt Restkostentarife vergleichen | Nur beihilfekonforme Beamtentarife mit passendem Erstattungssatz filtern |
| Beihilfesatz | Mit pauschal 50 % rechnen, obwohl Bundesland/Familienstand abweichen | Individuellen Beihilfesatz vor dem Vergleich bei der Beihilfestelle klären |
| Öffnungsaktion | Frist von 6 Monaten nach Verbeamtung ungenutzt verstreichen lassen | Bei Vorerkrankungen sofort nach Ernennung Angebote im Rahmen der Öffnungsaktion einholen |
| Beihilfelücken | Ergänzungstarif weglassen, um wenige Euro zu sparen | Beihilfeergänzungstarif für Zahnersatz, Sehhilfen und Wahlleistungen einkalkulieren |
| Anwärtertarif | Nach der Ausbildung nicht rechtzeitig in den Vollbeamtentarif wechseln | Umstellung zum Ende des Referendariats aktiv beim Versicherer beantragen |
| Beitragsfokus | Nur den günstigsten Monatsbeitrag wählen | Beitragsstabilität, Leistungsumfang und Erstattungspraxis mitbewerten |
Was kostet die PKV für Beamte konkret?
Beispielkalkulation für einen 35-jährigen Landesbeamten, ledig, 50 Prozent Beihilfe, leistungsstarker Restkostentarif (Stand 2026, marktübliche Größenordnungen):
- Restkosten-Grundtarif ambulant/stationär/Zahn (50 %): ca. 280 €
- Beihilfeergänzungstarif: ca. 18 €
- Wahlleistungen Krankenhaus (Zwei-Bett, Chefarzt): ca. 35 €
- Private Pflegepflichtversicherung: ca. 40 €
- Gesamt: ca. 373 € monatlich, ohne Risikozuschläge
Zum Vergleich: In der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung zahlt derselbe Beamte den vollen Beitrag ohne Arbeitgeberzuschuss — bei einer Besoldung von A13 in der Regel über 900 Euro monatlich, da der Dienstherr keinen GKV-Zuschuss leistet (außer in Bundesländern mit pauschaler Beihilfe).
Anwärter und Referendare profitieren von speziellen Ausbildungstarifen: Diese liegen üblicherweise zwischen 40 und 90 Euro monatlich und gelten bis zum Ende des Vorbereitungsdienstes.
Fazit
Für Beamte ist die PKV in Kombination mit der Beihilfe in den meisten Fällen die wirtschaftlich sinnvollste Lösung — vorausgesetzt, der Vergleich erfolgt auf Basis beihilfekonformer Restkostentarife und des tatsächlichen individuellen Beihilfesatzes. Wer die Öffnungsaktion nutzt, Ergänzungstarife einplant und auf Beitragsstabilität achtet, trifft eine Entscheidung, die über Jahrzehnte trägt.
Was 2026 den Unterschied macht, ist nicht mehr der günstigste Einstiegsbeitrag, sondern die Passgenauigkeit zwischen Beihilferecht des eigenen Dienstherrn und Tarifstruktur des Versicherers.
Häufige Fragen
Was ist die Beihilfe und wer hat Anspruch darauf?
Die Beihilfe ist eine Fürsorgeleistung des Dienstherrn, die Beamten, Richtern, Soldaten und teils deren Angehörigen einen Teil der Krankheitskosten erstattet. Aktive Beamte ohne Kinder erhalten in der Regel 50 Prozent, Pensionäre und Beamte mit mindestens zwei Kindern üblicherweise 70 Prozent. Die genauen Sätze regeln die Beihilfeverordnungen des Bundes und der Länder.
Müssen Beamte in die private Krankenversicherung?
Nein, es besteht Wahlfreiheit. Da der Dienstherr aber in den meisten Bundesländern keinen Zuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung zahlt, ist die Kombination aus Beihilfe und privater Restkostenversicherung für die Mehrheit der Beamten günstiger. Ausnahmen können sich in Ländern mit pauschaler Beihilfe ergeben, etwa Hamburg oder Hessen.
Was ist die Öffnungsaktion der PKV?
Im Rahmen der Öffnungsaktion nehmen beteiligte Versicherer neu ernannte Beamte innerhalb von sechs Monaten nach Verbeamtung auch mit Vorerkrankungen auf. Risikozuschläge sind auf maximal 30 Prozent des Beitrags begrenzt, Leistungsausschlüsse sind nicht zulässig. Die Frist beginnt mit der Ernennung und kann nicht verlängert werden.
Wie viel zahlen Referendare und Anwärter für die PKV?
Spezielle Anwärtertarife kosten üblicherweise zwischen 40 und 90 Euro monatlich, da sie ohne Alterungsrückstellungen kalkuliert werden. Sie gelten bis zum Ende des Vorbereitungsdienstes und müssen danach in einen regulären Beamtentarif umgestellt werden.
Lohnt sich ein Beihilfeergänzungstarif?
In den meisten Fällen ja: Für üblicherweise 10 bis 25 Euro monatlich schließt er Lücken der Beihilfe bei Zahnersatz, Sehhilfen und Wahlleistungen. Ohne Ergänzungstarif können bei umfangreichem Zahnersatz schnell Eigenanteile von mehreren tausend Euro entstehen.
Kann ein Beamter später wieder in die GKV wechseln?
Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist für Beamte nur in Ausnahmefällen möglich, etwa bei Entlassung aus dem Beamtenverhältnis und Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung vor dem 55. Lebensjahr. Die Entscheidung für die PKV sollte deshalb als langfristige Weichenstellung verstanden werden.
Quellen
- Bundesministerium des Innern: Bundesbeihilfeverordnung (BBhV), aktuelle Fassung
- Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband): Informationen zur Öffnungsaktion für Beamte
- Beihilfeverordnungen der Länder (z. B. BVO NRW, BayBhV)
- Öffentlich zugängliche Tarifinformationen: pkv-tarifvergleich.info